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Die Wiesenblumen der Schweiz – unterschätzte Träger der Artenvielfalt

Die Wiesenblumen der Schweiz – unterschätzte Träger der Artenvielfalt

Man übersieht sie gerne ein bisschen, denn ihre zarten Blüten springen oft nicht ins Auge wie die vieler exotischer Blumenarten. Zahlreiche Hobbygärtner rücken ihnen mit der Unkraut-Harke oder gar mit der chemischen Keule auf den Pelz. Dabei sind die Wiesen- und Waldblumen sehr viel mehr als nur lästiges Gestrüpp. Sie bilden mit ihrer beeindruckenden Farben- und Formenvielfalt die Basis allen Lebens in der Natur. Es gilt, diesem „wilden Leben“ wieder mehr Raum zu geben – letzten Endes ist es auch die Lebensgrundlage von uns Menschen.

Welches sind die typischen heimischen Wiesenblumen?

Als „heimisch“ bezeichnet man alle Blumenarten, die sich ohne menschliches Zutun in einer Region über mehrere Generationen halten. Sie wachsen überwiegend an naturbelassenen Wiesen und Wäldern. Gerne siedeln sie sich auch in Gärten und ungenutzten Brachflächen an, wenn diese nicht regelmässig gemäht werden. Die häufigsten Wiesenblumenarten in der Schweiz sind:

  • Gänseblümchen
  • Hahnenfuss
  • kriechender Günsel
  • Schotenklee (Hornklee)
  • Huflattich
  • Johanniskraut
  • Knabenkraut
  • Kornblume
  • Löwenzahn
  • Margerite
  • Schafgarbe
  • Schlüsselblumen

Zu den „wilden“ Arten gehören im weiteren Sinne auch blühende Gräser, Bäume und Sträucher. Das sind zum Beispiel Wildkirsche, Weissdorn und Holunder – um nur einige zu nennen.

Gibt es besondere Arten, die nur in der Schweizer Flora vorkommen?

Im Süden der Schweiz herrschen sehr warme, klimatische Bedingungen vor. Daher gedeihen dort oft schon mediterrane Pflanzenarten. Daneben gibt es aber in der Hochland-Flora seltene Alpen-Wiesenblumen in einer unglaublichen Vielfalt. Die bekanntesten von ihnen sind Alpenrose, Akelei, Edelweiss und Aurikel. Eine spezielle Orchideen-Art – der Gelbe Frauenschuh – wächst beispielsweise nur im Berner Oberland. Vom Alpen-Mohn etwa werden mehr als hundert bunte Sorten gelistet. Eine bekannte und beliebte Alpenblume ist der Gebirgsenzian. Er blüht übrigens keineswegs nur in Blau. Zur Blütezeit sieht man ihn genauso mit gelben oder weissen Blütenfarben.

Wann haben die Wiesenblumen ihre Blütezeit und welche Grösse können sie erreichen?

Eines der ersten ist im Frühling das hübsche Gänseblümchen. Ihm folgen Hahnenfuss, Kriechender Günsel, Wiesen-Glockenblume und Margerite. Im Sommer haben Wiesenblumen wie Schafgarbe, Wiesenklee, Ackerwinde, Mohn, Weidenröschen und Kamille ihre Blütezeit. Die Echte Kamille wird an die fünfzig Zentimeter hoch, während die Falsche Kamille die doppelte Grösse erreicht. So kannst du die beiden bei Bedarf gut auseinander halten. Auf Feuchtwiesen in der natürlichen Flora werden die Wiesenblumen meist höher als auf der Gartenwiese – manche davon bis zu zwei Metern. Im Herbst erfreuen uns dann das Springkraut, der Gute Heinrich und die Herbstzeitlose mit ihren leuchtenden Blütenfarben.

Welche Wiesenblumen sind gleichzeitig wertvolle Heilpflanzen oder haben essbare Blüten?

Im Grunde gibt es keine Pflanze, die nicht irgendeinen Nutzen oder eine bestimmte Wirkung hätte. Unzählige Wiesenblumensorten leisten uns Menschen als Arzneipflanzen besondere Dienste. So etwa

  • Kamille (hilft bei Entzündungen und grippalen Infekten)
  • Johanniskraut (beruhigend und schlaffördernd)
  • Frauenmantel (gegen Durchfall und Menstruationsbeschwerden)
  • Ringelblume (Entzündungen aller Art und Verdauungsprobleme)
  • Schafgarbe (appetitanregend und verdauungsfördernd)

Darüber hinaus sind viele Wildkräuter und Waldblumen essbar. Ihre Blüten und Früchte lassen sich hervorragend als Wildgemüse zubereiten. Gänseblümchen, Schlüsselblume, Wiesenklee oder Waldveilchen bereichern als gesunde Farbtupfer jeden Rohkostsalat. Huflattich und Taubnesselblüten schmecken sehr gut als feine Gemüsebeilage.

Wie komme ich an Samen von Wiesen- und Waldblumen?

Im Handel gibt es mittlerweile eine grosse Auswahl verschiedenster Wildblumensamen zu kaufen. Achte darauf, dass mit der Pflanzenauswahl eine Blütezeit von Frühjahr bis in den Spätherbst abgedeckt ist. Perfekt sind Samenmischungen, die sich für Honig- und Wildbienen gleichermassen eignen. In der Regel findet sich dazu ein Vermerk auf der Packung. Selbstverständlich kannst du geeignete Samen ebenso auf Spaziergängen sammeln. Den idealen Zeitpunkt dazu bildet der Herbst, wenn Früchte und Samenkapseln reif sind.

Was muss ich beachten, wenn ich zu Hause eine Wildblumenwiese anlegen möchte?

Der Weg von der aufgeräumten Grünfläche zur wilden Blütenpracht ist gar nicht so lang, wie viele denken. Überlege dir, welchen Bereich des Rasens du zur „wilden Wiese“ umgestalten möchtest. Hier kannst du die oberste Rasenschicht abtragen und den Mutterboden mit etwas Sand vermischen. Anschliessend wird eine entsprechende Samenmischung ausgestreut. Verzichte hier auf die Zugabe von Düngern, denn Wildpflanzen bevorzugen nährstoffarme Böden. Eine andere Variante: Lasse deinen Rasen an der gewünschten Fläche einfach stehen – gemäht wird nur im Frühling und Herbst. Nach zwei bis drei Jahren haben sich heimische Wiesenblumen angesiedelt, die sich dort garantiert wohlfühlen.

Weshalb ist es sinnvoll, so eine Blumenwiese anzulegen?

Wie wichtig es ist, unsere bedrohte Artenvielfalt zu erhalten, das wissen wir inzwischen alle. Auf einer ungedüngten Wiese wachsen bis zu 70 verschiedene Wiesenblumen. Eine einzige von ihnen kann etwa zwanzig wildlebende Tierarten ernähren. Uns Menschen bieten die Wildkräuter ebenfalls Nahrung, und ihren Wert als Arzneipflanzen können wir gar nicht hoch genug schätzen. Wer einmal das muntere Treiben von Bienen, Schmetterlingen und Vögeln vor dem Fenster beobachtet hat, wird darauf nicht mehr verzichten wollen. Jeder Quadratmeter Wiesenfläche zählt!

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